Planet History

Exlibris aus der Sammlung Paul Ultsch

Gastbeitrag von Melanie Rosen, Stadtarchiv Schweinfurt Paul Ultsch (1916 – 2007), Schweinfurter, Heimatforscher, Kunstsammler, Ehrenmitglied des Historischen Vereins Schweinfurt und Verfasser heimatkundlicher Werke, stiftete 1995 seine umfangreiche Bibliothek an das Stadtarchiv- und Stadtbibliothek Schweinfurt. Diese Bücher wurden von ihm mit einer Auswahl aus seiner großen Exlibris-Sammlung versehen. Bei der Erschließung seiner Bibliothek wurden nun die Exlibris gesichtet und sollen hier vorgestellt werden.

Zeichnerische Dokumentation von Keramikfunden

Die Dokumentation von Keramikfunden erfolgt in einer Kombination von Bild und Text. Traditionellerweise werden die Funde in Zeichungen vorgelegt, da diese am besten die formalen Eigenschaften darstellen und zudem schnell erfassbar machen. Zwingend  müssen die Zeichnungen aber durch eindeutig zuweisbare Beschreibungen ergänzt werden – was leider auch in wichtigen Keramikbearbeitungen nicht immer der Fall ist. Zusätzlich sollten unbedingt auch fotografische Farbabbildungen charakteristischer Scherben gegeben werden, die einen Eindruck von der Scherbenbeschaffenheit vermitteln können.

Hinweise zum Zeichnen

Richtlinien und Stile

Allgemeingültige Zeichenrichtlinien gibt es nicht, wohl aber Richtlinien für einzelne Zeitschriften oder Publikationsreihen (z.B. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg). Ein gewisser Standard hat sich bei modemen Fundvorlagen jedoch durchgesetzt und sollte nicht unterboten werden. So müssen die Zeichungen das Profil und auch den Durchmesser des Gefäßes angeben.

Regional und auch innerhalb einzelner Wissenschafts-Communities innerhalb der Archäologie haben sich indes gewisse Gewohnheiten oder Konventionen ergeben. So wird römische Keramik, die relativ weitgehend standardisiert und gleichmäßig auf der Drehscheibe gearbeitet meist schematischer gezeichnet als Keramikfunde der Vor- und Frühgeschichte oder des Mittelalters, indem beispielsweise auf eine Darstellung der einzelnen Scherben verzichtet wird.

römische Keramik aus Bräunisheim.
Die Zeichnung verzichtet auf eine Darstellung  der einzelnen Scherben
(Zeichnung: R. Schreg)

Bei vor- und frühgeschichtlichen Keramikfunden wird hingegen meist die einzelne Scherbe fein schattiert dargestellt. In der Regel wird dazu eine Punktierung vorgenommen.

Völkerwanderungszeitliche Keramikscherbe aus Treffelhausen. Die Zeichung zeigt mittels Punktschattierung die Unregelmäßigkeiten der Oberfläche, wie sie für handegamchte Keramik nicht untypisch ist. Da der Durchmesser des Gefäßes nicht zu bestimmen ist, wurde hier auf eine Rundergänzung verzichtet.
(Zeichnung: R. Schreg)

Oft haben die Stile einzelner Zeichner die Sehgewohnheiten der Forschung bestimmt. So hat über lange Jahre in Baden-Württemberg  der Zeichner Thomas Schwarz für das Landesdenkmalamt die mittelalterliche Keramik aus den Regierungsbezirken Stuttgart und Tübingen gezeichnet, mit seiner charakteristischen Schreffur aber bald auch darüber hinaus die Fundzeichnungen bestimmt.
 

Grundprinzipien

Auf der linken Bildseite befindet sich das Profil (nicht seitlich herausgezeiclmet) und die Innenansicht, auf der rechten Seite die Außenansicht des Scherbens. Vielfach werden die beiden Hälften durch eine Mittellinie getrennt, doch ist es oftmals praktischer, auf diese Mittellinie zu verzichten und stattdessen die vorhandene(n) Scherbe(n) in die Mitte zu rücken. Die Darstellung der einzelnen Scherben ist sinnvoll,, da so wesentliche Aussagen zur Erhaltung und zur Sicherheit der Rekonstruktion gemacht werden. Auch ist das Fundstück damit leichter im Originalbestand zu identifizieren. Bei großen Scherben oder bei fast vollständig erhaltenen Gefäßen ergeben sich durch die Rundung jedoch Schwierigkeiten, den Gesamtbestand an Scherben darzustellen, zumal die Dokumentation verschiedener Ansichten nicht üblich ist, selbst dann nicht, wenn manuell angebrachte Verzierungen vorliegen (siehe folgende Abb., Nr. 4). Hier behilft man sich ggf. durch Abrollungen der verzierten Partien des Gefäßes.
In einigen Fällen, vor allem bei weitgehend erhaltenen Gefäßen ist es pragmatisch, auf die Mittellinie zurückzugreifen. Zum einen wird so der Zeichenaufwand reduziert, zum anderen aber bleibt die Zeichnung leichter lesbar.
zeischnerische Keramikdokumentation: Hochmittelalterliche Keramik aus Merdingen FR (1-2) und Altdorf BB (3-5)
1 u. 2 Umzeichnung am Computer mit Fotomontage, 3-5 manuelle Umzeichnung. Im falle der zeichnung 4 wurde Wert darauf gelegtm, die Tülle in Frontalansicht zu zeigen, weshalb das Fragment auf der linken Seite nicht vollständig dargestellt werden kann. Vorliegende Scherbe beschränkt sich auf die Darstellung des Henkels im Profil und gibt weder Seitenasicht noch Profil der Tülle. Dies müsste gesondert heruasgezeichnet werden
(Zeichnungen: R. Schreg)
Das Profil sollte freigestellt sein, d.h. die Binnenstruktur und die ergänzenden Linien für Rand und Kanten dürfen nicht direkt an das Profil angesetzt werden, sondern müssen einen Abstand von ca. 2 mm halten, damit die Details der Profilführung für den Betrachter leicht erkennbar bleiben. Das Profil selbst sollte dunkel angelegt werden, damit es bei einem Durchblättern der Abbildungen leicht ins Auge fällt. Ideal erscheint eigentlich die Schwärzung des Profiles, doch wird dies in jüngerer Zeit aus ästhetischen Gründen zunehmend aufgegeben. Eine Schraffur macht das Profil optisch unruhig, ein Raster ist bei traditioneller Ausführung mittels Rasterfolie teuer und aufwendig. Eine Punktierung des Profiles ist unüblich, obwohl sie genutzt werden könnte, Dichte und Größe der Magerung darzustellen. Eine digitale Bildbearbeitung erlaubt eine Graufüllung des Profils.

Der weitere Wandungsverlauf sollte im Profil mit einzelnen kurzen Strichen angegeben werden, da das Profil häufig an einer Knickstelle abbricht, die am Original durchaus noch erkennbar sein kann.
Grundsätzlich genügt eine einfache Strichdarstellung. In der Ansicht sollte aber durch Schattierung eine gewisse Plastizität vermittelt werden, da die Zeiclmungen dadurch übersichtlicher werden. Dies muß jedoch sparsam geschehen, da die Zeiclmung sonst zu dunkel wird. Dabei ist die Lichtquelle links oben zu denken.
Handgemachte Keramik wird punktiert, Scheibenware mit Linien schattiert. Aus wirtschaftlichen Gründen kann auf eine – zeitintensive – Schattierung bei einfachen Formbildungen verzichtet werden, Biegungen können dann mit feinen horizontalen Linien angedeutet werden: unterbrochen bei sanften Biegungen, durchgehend bei scharfen Kanten oder Knicken. Ein solches Vorgehen ist bei römischer Keramik seit langem üblich, hier wird fast immer auch komplett auf die Darstellung des Einzelscherbens verzichtet.
Schadensbilder (Abplatzungen, Bruchflächen, Risse) sollten zur Dokumentation eventueller Sekundäreinwirkungen oder Fehlbrände und zur leichteren Wiedererkennung und eben zur Angabe der Rekonstruktions- und Bestimmungssicherheit knapp angegeben werden.

Zum praktischen Vorgehen

Skizziert wird hier ein einfaches, erprobtes Verfahren für eine manuelle Zeichnung einzelner Keramikscherben. Erforderliche Materialien:

  • kariertes Papier, ggf. auch auf Millimeterpapier
  • weicher Bleistift
  • Profilkamm
  • Schieblehre
  • Orientierungsquader: kleine Klarsichtbox oder rechtwinkliger Holzblock mit angeklebtem Spiegel, ca. 3 cm hoch (zur Orientierung von Rand- und Bodenscherben)
  • Modelliermasse/ fettfreie Knetmasse (z.B. FIMO)
  • Radialmillimeterpapier

sofern die Weiterbearbeitung nicht am Bildschrim erfolgt weiterhin 

  • hochtransparentes Papier (sog. Entwurfblock)
  • Tuschestifte unterschiedlicher Stärke 0,8 mm 1,2 mm (wichtig: gleichmäßige Linienstärke, lichtecht)
Zunächst werden die Scherbenansicht und das Profil auf einem karierten Papier angefertigt. Karo bzw. Millimetereinteilung sind wichtig als Orientierungslinien beim Einsatz des Profilkammes.
Abnahme des Profils der am Quader (hier Klarsichtplastikbox)
ausgerichtete Scherbe
(Foto: R. Schreg)
  1. Orientierungsquader auf kariertem Papier an Grundlinie platzieren, so dass die Scherbe gelegt werden kann.
  2. Die Randscherbe wird an der senkrechten Fläche des Quaders, also an Grundlinie 1 ausgerichtet. Eine Spiegelwirkung der senkrechten Quaderfläche erleichtert die präzise Orientierung der Scherbe. Mit Modelliermasse, läßt sich die Scherbe fixieren. Gegenüber einer Orientierung der Scherbe an der Tischplatte bietet dies Verfahren die Möglichkeit, die Scherbe für die folgenden Schritte in ihrer Position fixiert zu halten.
  3. Zeichnen des Umrißes: Mit einem einfachen Bleistifthalter, der eine seitliche Kippung des Stiftes verhindert, wird die Scherbe umfahren. Ersatzweise kann eine feine Bleistiftmine mit Klebestreifen an einem Geodreieck fixiert werden.
  4. Anlage des Profiles. Die Scherbe muß zunächst in ihrer fixierten Lage bleiben. Mit dem Profilkamm wird das Außenprofil abgenommen. Der Profilkamm muss die Tischplatte sowie die Oberseite des Orientierungsquaders mit erfassen. Damit ist das Profil in seiner Stellung richtig orientiert. Zum Übertrag auf das Papier dient eine Linie rechtwinklig zu Grundlinie 1 (= Grundlinie 2). Wenn der Orientierungsquader nicht zu groß ist, kann das Nachzeichnen des Profiles sofort geschehen, ansonsten kann der Übertrag erst nach Punkt 5 erfolgen.
  5. Zeichnung der Binnenstrukturen. Mit sorgfältiger Senkrechtpeilung bzw. der Einmessung mehrere Punkte werden die wesentlichen Elemente der Ansicht (Verzierungen, wichtige Bruchkanten etc.) in die vorhandene Umrißzeichnung übertragen. Gegebenenfalls muss die Scherbe aus ihrer Position entfernt werden. Mit Hilfe des Quaders und der zuvor gezeichneten Umrissßlinie lässt sie sich aber mit genügender Präzision in ihrer richtige Position zurückführen, um markante Stellen auf das Papier abzutragen. Bei schwierigeren Verzierungen hilft ein Abrieb, der dann aber in die nach hinten optisch verkürzte Ansicht projeziert werden muß (zeichnerische Konstruktion!).
  6. Ergänzung des Profils. Durch Messen der Dicke und Abnalnne des Innenprofiles wird die Profilzeichnung auf der linken Seite ergänzt.
  7. Ermittlung des Durchmessers: An einer charakteristischen Stelle wird mit dem Profilkamm die Biegung des Gefäßes aufgenommen und mit Hilfe des Radialmillimeterpapiers der Radius bestimmt. Damit kann die Mittellinie bestimmt werden. Ausgehend von der Profilzeichnung wird der Mittelpunkt des Gefäßes auf Grundlinie 1 markiert.
  8. Erstellung der Reinzeichnung
  9. Umzeichnen auf Transparentpapier
    (Foto: R. Schreg)
  • manuell: Die Vorzeichnung mit Bleistift wird auf dem Transparentpapier in richtiger Anordnung ausgetuscht. Zunächst wird das Profil gezeichnet und der Mittelpunkt des Gefäßes (siehe 7.) auf das Transparentpapier übertragen, dieser dient dazu, die rechte Konturlinie des Gefäßes richtig zu positionieren. Die rechte Rundergänzung kann auf der Rückseite des Transparentpapiers gezeichnet werden. Hinsichtlich der Strichstärke ist die Verkleinerung in den Endmaßstab zu beachten. Konturlinien sollten im Druck noch etwa 0,18 mm stark sein. 
  • digital: Die Handzeichnung wird eingescannt und am Computer mit einem Vektorprogramm nachgezeichnet.
  1. Die Bilddatei sollte bei angestrebter Schwarz-Weiß-Abbildung als s/w-Bild eine Auflösung von 1200 dpi, bei Darstellung (wegen Raster etc) als Grauwert-Format mindestens 300 dpi, kein jpg-Format (!).
  2. anstelle der Ansichtszeichung der Scherbe kann jetzt auch ein Foto eingebunden werden. Dieses muss aber ebenfalls in einer möglichst weniger verzerrten senkrechten Aufnahme vorliegen. 
  • Schattierung (möglichst sparsam) oder Andeutung von Umbruchstellen.
  • ggf. Füllung der Profile
  • ausgetuschte Zeichnung auf Transparenzpapier
    (Foto: R. Schreg)
  • Beschriftung der Zeichnung mit Fundort, Fundnummer und möglichst einer kleinen Maßstabsleiste. Ich notiere mir bei den Zeichnungen i.R. auch einige Stichworte zur Beschreibung.
  • Diese Zeichentechnik ist relativ schnell. Ich vermerke mir auf den Zeichnungsskizzen wie auch den Reinzeichnungen meist die Beobachtungen zu Magerungsgröße etc.und hefte diese auch ab. Das ist eine wertvolle Kontrolle für den Fundkatalog.

    Digitale Dokumentation

    Schon lange wird an Möglichkeiten einer digitalen Dokumentation von Keramikfunden gearbeitet. Bereits in den 1980er Jahren wurde versucht, computergestützte Verfahren zu entwickeln, die vor allem bei Drehscheibenware die zeichnerische Keramikerfassung erleichtern.Inzwischen geht es um 3D-Modelle von Keramikfunden. Es wird sich zeigen müssen, inwieweit 3D-Modelle die traditionelle graphische keramikdokumentation zu ersetzen. Ihr Informationsgehalt ist deutlich umfassender (wenngleich beschreibungen weiterhin notwendig sein werden), doch liegt darin auch ein wesentliches Problem: Die traditionellen Zusammenstellungen von Fundzeichnungen auf gedruckten Tafeln ermöglichen ein zügiges Durchblättern und ein rasches optisches Erfassen der Funde. Solches wird für das wissenschaftliche Arbeiten weiterhin notwendig sein, weshalb Präsentationsformen für 3D-Modelle entwickelt werden müssen, die genau dieses ermöglichen. Idealerweise wird man aus 3D-Dokumentationen Standardansichten generieren, die an die bisherigen Sehgewohnheiten anknüpfen (Profil, skizzenhafte Rundergänzung) und eine rasche Vergleichbarkeit mit älteren Publikationen erlauben.
    Vorteile der 3D-Dokumentation liegen in einer größeren Genauigkeit und einem meist schonenderem Umgang mit dem originalen Fundobjekt.

    Global Xplorer – archäologische Fernerkundung und Dokumentation von Raubgrabungen

    Sarah Parcak hat 2016 den TED-Price gewonnen, mit einem Preisgeld, das in die Entwicklung von Global Xplorer fließen soll, einer Citizen Science-Plattform, mit der Fernerkundungsdaten für archäologische Prospektionen eingesetzt und unter Beteiligung der Öffentlichkeit ausgewertet werden.

    Zum Projekt:

    Durch Raubgräber zerstörte archäologische
    Fundstelle in Rontoy, Huaura-Tal, Peru. Juni 2007
    (Foto: Nathancraig [CC BY 3.0] via Wikipedia)

    Derzeit steht ein Projekt im Vordergrund, mit dem in Peru die Spuren von Raubgrabungen dokumentiert werden sollen. In Kooperation mit den peruanischen Behörden sollen Luftbilder durch interessierte Laien auf Raubgrabungsspuren durchgesehen und markiert werden. Ein Handbuch und ein System der Verifizierung dienen der Qualitätssicherung der von Laien beigesteuerten Beobachtungen.

    Gegen das Projekt Global Xplorer werden aber auch Bedenken angemeldet, da befürchtet wird, dass auch Raubgräber die Fernerkundungs-Tools nutzen könnten.
    Gegen solchen Misbrauch hat das Projekt aber Vorsichtsmaßnahmen ergriffen: Die Daten werden in „Expeditionen“ mit begrenzter Laufzeit ausgewertet und die die zur Auswertung vorgesehenen Fernerkundungsdaten werden in Kacheln bereitgestellt, die nicht georeferenziert sind. Bislang gibt es auch keine Expedition in Ägypten, wo Sarah Parcak durch Fernerkundung zahlreiche neue Fundstellen identifiziert haben will.

    Ähnliche Diskussionen gab es auch in Deutschland um frei verfügbare Luftbilder und LiDAR-Scans.

    Doctoral Training Partnership mit der University of Cambridge | Die a.r.t.e.s. Graduate School zu Gast bei der Nachwuchskonferenz „Time and Temporality“

    Bericht von Lars Juschka, studentischer Mitarbeiter bei a.r.t.e.s.

    Vom 14. bis 16. September 2016 nahmen zehn Promovierende der Philosophischen Fakultät in Begleitung von Thiemo Breyer, Juniorprofessor der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne, an der Nachwuchskonferenz „Time and Temporality“ in Cambridge teil. Im Rahmen der Doctoral Training Partnership (DTP) des Arts and Humanities Research Council (AHRC) der Universität Cambridge kamen Doktorandinnen und Doktoranden von fünf Institutionen zusammen: Neben Köln und Cambridge waren Promovierende der Australian National University (ANU), der European University in St. Petersburg (EUSP) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit dabei.

    Über die Gefahr, Zustimmung zu bekommen

    Auf Umwegen erreichte mich  gerade ein Hinweis auf eine Podcast-Folge, in der Moritz Klenk performativ darüber reflektiert (hier zu finden, bitte hören), wie unterschiedliche, v.a. auch neue Formen des wissenschaftlichen Denkens und Sprechens Einfluss auf das Gedachte selbst haben und die Folgen, die der dann für das Umgehen mit Gelesenem und den sich daraus ergebenden Ideen hat. Irritierend interessant war zunächst für mich die Thematisierung der Gefahr, in der  WWW-Öffentlichkeit Zustimmung zu einem gepodcasteten Gedanken bekommen. Sonst sind es doch vielmehr die Ängste, auf Vorläufiges mit Kritik … Über die Gefahr, Zustimmung zu bekommen weiterlesen

    Grabungsmuseum auf der Insel Elephantine wiedereröffnet

    Sieben Jahre lang war das Museum für Archäologische Ausgrabungen auf der Insel Elephantine, westlich von Assuan, geschlossen. In dieser Zeit waren Restaurationsarbeiten durchgeführt worden. Nun wurde es von Antikenminister El-Enany feierlich wiedereröffnet. Inzwischen beherbergt das Museum 1788 Artefakte, die von den dort grabenden Delegationen aus der Schweiz und Deutschland gefunden wurden. Die Regierungen dieser beiden […]

    The post Grabungsmuseum auf der Insel Elephantine wiedereröffnet appeared first on selket.de.

    Arbeitskreis Policey/Polizei im vormodernen Europa

    http://www.univie.ac.at/policey-ak/ Im Zentrum des Interesses stehen obrigkeitliche Praktiken und Techniken, die unter dem Titel einer ,guten Policey’ von staatlichen, ständischen, städtischen und korporativen Instanzen eingesetzt wurden, um soziale Ordnung zu gestalten und gesellschaftliches Leben zu verändern. Im Rahmen einer politischen Sozialgeschichte und einer Kulturgeschichte von Institutionen soll ein Austausch über “Herrschaft als soziale Praxis” (Alf […]

    Bernhard und das Salve Regina

    Das Gnadenbild im Dom zu Speyer 

    Die Autorenschaft von marianischen Antiphonen ist besonders schwer festzustellen, weil das Mittelalter die Kategorie Autorenschaft nicht kennt. Wir haben im 21. Jh. immer noch unsere Probleme damit: Was ist schon geistiges „Eigentum“? Und wenn es geistlich ist, ist der Begriff Eigentum ganz verfehlt. Kann man die göttlich gegebene Inspiration juristisch festmachen?
    Die zwei berühmten musikalischen Dichtungen, die Bernhard von Clairvaux zugeschrieben werden, sind das Jesus dulcis memoria (O liebster Jesu denk ich dein) und den Jubelzusatz zur Antiphon Salve Regina: o clemens, o pia, o dulcis virgo Maria! Beide Zuschreibungen sind (nach dem Urheberrecht zu schlussfolgern) unwahrscheinlich, doch die Überlieferungen sind für sich genommen wertvoll und vielsagend.
    Die Legende vom Salve Regina meint zu wissen, dass als Bernhard zu Weihnachten 1146 in seiner Funktion als Legat im Dom zu Speyer den Kreuzzug predigte, er während des Singens des Salve Regina in Entzückung geriet. Er brach in Jubelrufen an Maria aus. Nach o clemens! sprang er 30 Fuß im Schiff in Richtung Altarraum, nach o dulcis! wieder, usw. Diese Stellen wurden im Dom mit drei Rosenzeichnungen im Fußboden gekennzeichnet.
    Andere Überlieferungen, dass er sich alle 30 Fuß niederkniete, wären mindestens im Kontext der cisterciensischen Ritualgeschichte leichter einzuordnen, denn die benediktinische Professliturgie sieht vor, dass der Mönch sich dabei in drei langen Wegabschnitten dem Abt nähert, und bei jeder der drei Etappen den Ruf Suscipe me …! wiederholt. Dabei kam es in lokalen Abweichungen zu verschiedenen Körperhaltungen. Die Tradition kennt eine stehende mit entspannten Armen, eine mit den Armen in Kreuzesform ausgebreitet und eine kniende. Die Speyerer Legende zum Salve Regina könnte eine Verballhornung der monastischen Jubelrufe aus der Professliturgie sein.

    Neue Videos von Pro Heraldica

    Auf unserer Website finden sich zahlreiche Informationen rund um die Themen Heraldik, Genealogie, Siegelringe, Firmenchroniken und vieles mehr. Manchmal ist es am Besten, wenn man Dinge in einem kurzen Video erklärt bekommt. Und wer könnte dies besser, als unser Geschäftsführer Harald Heimbach. Ton ab, Kamera ab, Klappe und Action! Wir haben in den vergangenen zwei Wochen… Weiter »

    The post Neue Videos von Pro Heraldica appeared first on Pro Heraldica.

    CfP: Workshop „Modellierungsfragen in den Digitalen Geisteswissenschaften“, 25. oder 26.9.2017, Chemnitz

    im Rahmen der 47. Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) Informatik 2017 | Digitale Kulturen 25.-29.9.2017 | Chemnitz Verantworten wir den Workshop 15: Modellierung4DH Modellierungsfragen in den Digitalen Geisteswissenschaften https://informatik2017.de/ws15-modellierung4dh/ Modellierungsfragen sind immer ein kritischer Erfolgsfaktor für Projekte in den Digitalen Geisteswissenschaften. Die zugrundeliegenden Herausforderungen zeigen sich beispielsweise bei Digitalen Edition, Dokumentation von Kulturgut, […]

    Tagungsprogramm „Die Kartause Gaming als Erinnerungsort der österreichischen Geschichte – The Charterhouse of Gaming as a Reservoir of Memory and a Monument of Austrian History“ (10. bis 12. März 2017)

    Das genaue Tagungsprogramm lesen Sie hier : Programm_Gaming_ES Tagungsprogramm_Gaming_Brosch (Ansicht nicht mit jedem Rechner möglich) Vgl. auch die Informationen auf der Projektwebsite: http://bibliotheca-gemnicensis.univie.ac.at/content/gaming-conference-2017

    [paper] Solveig Bourocher (Tours, F): Les décors intérieurs et extérieurs de la grande salle du logis ducal de Loches au service du pouvoir de Louis Ier d’Anjou (1370-1378)

    Après avoir reçu de son frère, le roi Charles V, le duché de Touraine en 1364, Louis Ier d’Anjou engagea la construction d’un palais neuf dans l’enceinte du château de Loches (France, Indre-et-Loire). De cette résidence princière, il reste aujourd’hui un corps de logis prolongé par une tour circulaire et une grande terrasse édifiée sur les voûtes d’une rampe cavalière. L’étude archéologique de l’ensemble, menée dans le cadre de…

    Die Diskriminierung in der EU nimmt zu

    [1] Österreich plant, die Höhe der Familienbeihilfe (=Kindergeld in Deutschland) bei ArbeitnehmerInnen aus EU-Ländern den dortigen Lebensstandards anzupassen. In der Praxis heißt das, die Familienbeihilfe zu senken. Dies diskriminiert EU-BürgerInnen, die im Zuge der Personenfreizügigkeit, eine der vier Säulen des Binnenmarkts, in Österreich arbeiten, während ihre Familie, insbesondere Kinder, im Herkunftsland geblieben sind. [2] Dasselbe Land plant, Firmen die Hälfte der Lohnnebenkosten zu erstatten, wenn sie bereits im Land ansässige ArbeitnehmerInnen einstellen. Auf den ersten Blick stellt das keine Diskriminierung dar, da die Herkunft/Nationalität der ArbeitnehmerInnen keine Rolle spielt, Kriterium ist, dass sie bereits in Österreich leben. Mittelbar diskriminiert es aber EU-BürgerInnen, die neu ins Land kommen im Zuge der Personenfreizügigkeit, da es für diese Gruppe keine Subvention für die Arbeitgeber geben soll. [3] Beide Maßnahmen richten sich faktisch gegen ArbeitnehmerInnen aus den ostmitteleuropäischen Ländern sowie Bulgarien und Rumänien. Dahinter steht der in anderen Zusammenhängen deutlich erhobene Vorwurf an diese Länder, dass sie in der EU gerne nehmen, aber ungerne geben, also sich unsolidarisch verhalten. [4] Österreich ist nicht das einzige EU-Land, das solche Maßnahmen plant. Freilich geht es stramm voran, während anderswo kontrovers um ähnliche Ideen gestritten wird. Insgesamt zeichnet sich bei den Nettozahlern unter den Mitgliedsländern die Tendenz ab, Sozialleistungen für EU-BürgerInnen an Bedingungen zu knüpfen, die für die eigenen StaatsbürgerInnen nicht gelten. [5] Wie der Europäische Gerichtshof in Bezug auf entsprechende britische Regelungen, die Cameron vor dem Brexit-Votum eingeführt hatte, festgestellt hat, verstoßen die Restriktionen nicht zwingend gegen EU-Recht bzw. sind bestimmte Einschränkungen, die objektiv betrachtet EU-BürgerInnen gegenüber den StaatsbürgerInnen diskriminieren, zulässig, wenn ein anderes Rechtsgut – im konkreten Fall die Finanzen der öffentlichen Hand – höher zu bewerten ist. [6] Österreich (und eventuell weitere Länder wie Deutschland) wird es daher im Zweifelsfall darauf ankommen lassen, ob jemand – die Kommission oder jemand anderes – vor dem EuGH klagen wird oder nicht. [7] Die juristische Bewertung auf der Grundlage des Unionsvertrages und des europäischen Rechts ist die eine Sache. Statt allfällige Spielräume im EU-Recht auszureizen bzw. auszutesten, sollte das Projekt einer europäischen Sozialunion ernsthaft voran getrieben werden. [8] Eine andere Sache ist die Bewertung unter dem Gesichtspunkt europäischer Werte. Das Diskriminierungsverbot lässt sich eben nicht nur juristisch betrachten, sondern es drückt auch eine Grundhaltung aus, nämlich innerhalb der EU allen BürgerInnen die exakt selben Rechte zukommen zu lassen. Davon ist auch im EU-Recht ohnehin das Wahlrecht weitgehend ausgenommen mit Ausnahme des kommunalen Wahlrechts und des Wahlrechts für die EU-Parlamentswahlen. [9] Konsequenterweise müsste die Werthaltung von keinerlei Diskriminierung auch auf das Wahlrecht ausgedehnt werden. Es geht um eine prinzipielle Einstellung und um praktizierte europäische Solidarität. Ziel der Römischen Verträge von 1957, die die EWG begründeten, war insbesondere, die Lebensstandards innerhalb der Gemeinschaft immer weiter anzugleichen. Es ging daher von Anfang an um eine bestimmte europäische Solidarität, die letztlich im Binnenmarktprojekt ihren konsequentesten Ausdruck gefunden hat. [10] In einem Binnenmarkt zahlt sich allgemeiner Wohlstand mittel- und langfristig für alle aus. Und zweifellos ist die Zahlung von Familienbeihilfe/Kindergeld, um beim konkreten Beispiel zu bleiben, eine solidarische Transferleistung, wenn die Kinder im Herkunftsland geblieben sind, die einen bescheidenen Beitrag zum idealistischen Ziel der Union leistet. [11] Die Tendenz zur Diskriminierung zeigt sich außerdem in sehr unterschiedlichem Gewand. Die polnische Regierung beispielsweise möchte ursprünglich polnische Unternehmen (Bankensektor, Mediensektor, etc.), die inzwischen Eigentümer aus EU-Ländern haben, wieder in polnischen Besitz oder Mehrheitsbesitz bringen. Unterstellt wird, dass ausländische Eigentümer gegen polnische nationale Interessen handeln, während nationale Eigentümer sich national-ethischer verhalten. [12] Dass das so ist, ist zwar mitnichten beweisbar, aber viele Polen glauben das. Die PiS-Regierung hat relativ leichtes Spiel. Dass bei ihr in Wirklichkeit der Wunsch nach politischer Umfärbung der wichtigere ist, wird von vielen als nachrangig betrachtet.  Vorgemacht hat es Ungarn, „Budapest“ ist der PiS Vorbild. [13] Nahtlos fügt sich daran die Weigerung vieler EU-Länder, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Diese Weigerung betrifft nicht nur die ostmitteleuropäischen Länder, sondern auch westeuropäische, gleichwohl kumulieren sich in manchen ostmitteleuropäischen Ländern unsolidarische Haltung, scharfe Verbalattacken auf die EU-Kommission, Nationalismus und Abschottung, Blicke nach Moskau, bei Inanspruchnahme der Vorteile der EU, während in westlichen Ländern die Bereitschaft zur solidarischen Umverteilung abnimmt. [14] Die neue Kluft zwischen West und Ost ist bereits da. Die Bindeelemente gemeinsamer Interessen werden schwächer. Der neue Nationalismus macht die Interessen divergenter. Empfohlene Zitierweise (die Absätze sind in eckigen Klammern für Zitationszwecke nummeriert): Wolfgang Schmale: Die Diskriminierung in der EU nimmt zu. In: Wolfgang Schmale: Blog „Mein Europa“, wolfgangschmale.eu/diskriminierung, Eintrag 24.02.2017 [Absatz Nr.].

    Der Beitrag Die Diskriminierung in der EU nimmt zu erschien zuerst auf Wolfgang Schmale.

    TV-Vorschau 25. – 3. März 2017

    Hier wieder der Ausblick auf die Geschichtssendungen der kommenden Woche. Katharina Luther, Karl der Große, Lenin und die Bismarck-Nachfahren sind nur einige der historischen Persönlichkeiten, die in eigenen Dokus oder Historienfilmen gewürdigt werden. Viel Spaß. Samstag, 25. Februar Nachdem N-TV um 20.15 Uhr den Geschichtsabend mit dem Beitrag „Entscheidende Waffen …

    Radiobeitrag über „Distant Reading und Diskursanalyse“

    Am 27. Januar 2017 wurde in der Sendereihe „Philosophische Brocken“ auf Radio ORANGE 94.0 ein Bericht über den vom foucaultblog im Herbst 2015 am IWK Wien durchgeführten Workshop „Distant Reading und Diskursanalyse“ gesendet. Die Hörcollage von Luisa Drews bietet ein interessantes Resümee der Vorträge und Diskussionen, und wir freuen uns, die Aufzeichnung der Sendung nun als Beitrag zu unserer Special Issue Distant Reading und Diskursanalyse veröffentlichen zu können.

    Von Archiven und Schatzhäusern

    Bei der Vorbereitungen eines Vortrags sind die Kolleginnen des Archivs der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und des Jugendhauses Düsseldorf auf ein Bibelzitat gestoßen, das generell und besonders in den verschiedenen Übersetzungen gut für die archivische Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden kann. Aus dem Buch Esra (6,1): – Auf Befehl des Königs Darius forschte man nun in den Archiven nach, dort, wo in Babel die Schätze aufbewahrt wurden. (neue Einheitsübersetzung) – Auf Befehl des Königs Darius forschte man nun in den Schatzhäusern nach, dort, wo in Babel […]

    Section 2: Globalization

    Conference „Working on Things. On the Social, Political, and Economic History of Collected Objects“ (Berlin 2016)

    Nicola Kritzinger’s talk focuses on an unassuming, seemingly rudimentary ceramic figure that sits in storage for years, surrounded by innumerable objects also relegated to containers. Even in its apparent silence and obscurity, the presence and displacement of this object reveals something of an expansive history; various social histories, including a number political eras from the imperial, to the colonial, and eventual democracy; and relates something of the construction of value systems for art, objects and museums across these periods. It hints at the work implicit in every museum object.
    Furthermore, Felix Chami relates about his attempt to gather information about the ancient coast of East Africa and actually to verify Greco Roman documents about East Africa and how he found many archeological sites of that time through archeological surveys. Excavations of the sites produced a good amount of local ceramics and other materials, and few imported materials such as beads which were recovered in association.

    Laufer Faschingszeitungen der Jahrhundertwende zeigen den „Fastnachtszug der haute volée“

      Zwei ganz besondere Schätze erhielt das Archiv vergangene Woche von einer Nachfahrin der Familie des Kunstmühlbesitzer-Ehepaars Ernst und Elisabeth Arnold, die im frühen 20. Jahrhunderts bedeutend zum gesellschaftlichen Leben in Lauf beitrugen. Dabei handelt es sich um zwei Laufer Faschingszeitungen der Zeit um 1900. Eines der beiden „Laufer Narrenblätter“ zeigt eine verkürzte Darstellung der Laufer Innenstadt zwischen den beiden Stadttoren mit dem Gebäude der Stadtapotheke in de Mitte. Gezeigt wird ein Spottbild auf die „feine Gesellschaft“ der Stadt. Vor der Stadtapotheke, auf dem heute verschwundenen Kriegerdenkmal ist in Anklang an den Nürnberger „Gänsemännchen-Brunnen“ ein Laufer „Gänsemännchen“ zu erkennen. Den […]

    Die Welt auf der Karteikarte

    1895 begann der junge belgische Jurist Paul Ortlet, eine Sammlung von Katalogkarten anzulegen. Das Universelle Bibliographische Verzeichnis sollte alle Schriften der Wissenschaft erfassen. 1934 füllten über 15 Millionen Karten die Schränke seines Instituts in Brüssel. Nach der Schließung des „Mundaneums“ geriet Paul Otlet in Vergessenheit; er starb 1944. Er gilt heute als Vordenker des Internets….

    [paper] Sabine Sommerer (Zurich, CH): The Eloquence of the King’s Chamber. Descriptions of Royal Palaces from the 10th-14th Century

    Medieval descriptions of royal state-rooms can offer important clues on how to understand these spaces. We cannot always expect them to describe existing decorations. In many cases they demonstrably did not. But, to bring their panegyric or parodistic intentions to bear, the authors necessarily had to refer to the real world experience of their audience—and to surpass it. The following questions arise: Which popular topoi are referred to? Which…