Planet History

Rechtshistorischer Vortrag von Prof. Dr. Hermann Nehlsen: Agnes Bernauer

Die Gesellschaft für Bayerische Rechtsgeschichte und das Leopold-Wenger-Institut für Rechtsgeschichte – Abt. B: Bayerische und Deutsche Rechtsgeschichte beehren sich, zu folgender Veranstaltung einzuladen: Prof. Dr. Hermann Nehlsen: Agnes Bernauer am Freitag, 9. Dezember 2016 um 17:30 Uhr s. t. in der Bibliothek des Leopold-Wenger-Instituts für Rechtsgeschichte,…

Call for Papers and Posters: 33. Österreichischer Bibliothekartag (Linz, 13.–15.09.2017), „Wolkenkuckucksheim. Bibliotheken in der Cloud“

Unter dem Motto „Wolkenkuckucksheim. Bibliotheken in der Cloud“ richten die Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB) und die Universitätsbibliothek Linz von 13. – 15. September 2017 in Kooperation mit dem Büchereiverband Österreichs (BVÖ) den größten Fachkongress für Bibliothekarinnen und Bibliothekare … Weiterlesen

Aufsätze zum Kloster Baindt

Archivalia vermeldet, dass folgende Aufsätze zu Baindt und Baienfurt auf der Website der katholischen Kirchengemeinden zu finden sind:

  • Aus der Chronik der Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt Baienfurt
  • Die selige Irmgard von Baindt – eine Spurensuche
  • Die Wirtschaftsverfassung und Verwaltung der reichsfreien Frauenzisterze Baindt
  • Kleine Klostergeschichte der Reichsabtei Baindt

Die URL: http://www.katholisch-baienfurt-baindt.de/zur%20geschichte.htm

Sehr löblich!

„Der Teufel rückt in der Reformation ins Zentrum“

Interview mit Jan Löhdefink über den Teufel als ewige Antithese

Martin Luther soll einst gesagt haben: „Man muss dem Teufel das Kreuz ins Angesicht schlagen, so weiß er, mit wem er umgeht.“ Mit der Reformation rückte der Teufel wieder ins Zentrum des gelebten Glaubens, jedoch anders als in den Epochen dafür. Denn in der neuen Aufmerksamkeit für den Satan und der Konjunktur der Vorstellungen von ihm steckte bereits auch der Anfang vom Ende des Teufelsglaubens. Das Zitat Luthers deutet ein neues Selbstbewusstsein an, das in der Überzeugung kulminiert, gegen den Satan aktiv vorgehen bzw. ihn immer dort zu bekämpfen zu können, wo man ihn gerade antrifft. Der Religionshistoriker Dr. Jan Löhdefink hat in seinem Dissertationsprojekt über die Teufelsvorstellungen in der frühen Reformationszeit geforscht und die Auswirkungen auf die Moderne in den Blick genommen. Für seine inzwischen publizierte Doktorarbeit „Zeiten den Teufels“ ist er mit dem Martin-Luther-Preis ausgezeichnet worden. Wir haben ihn zu seinem Projekt befragt.

SHELTr, a legal training program to preserve cultural heritage in Syria

Across Syria, the conflict has disrupted the judiciary institutions and new court staffs may lack proper training, especially in matters of cultural heritage. This project addresses the three legal frameworks currently relevant in Syria: Internation

The SHELTr (Syrian Heritage Law Training) is an e-course in development by Heritage for Peace with the assistance of Save Muslim Heritage, in order to provide legal training to court staff in the opposition-held Syria on matters pertaining to cultural heritage. The program was born out of research carried out by Heritage for Peace on the current judicial landscape in the opposition-held areas of Syria. Questionnaires were completed with various stakeholders including imams, lawyers, heritage experts, and local council members – results emphasized three key points:

 the large majority of the legal affairs in the opposition-held areas of Syria are handled by Islamic courts, or local courts basing large amount of their ruling on Islamic jurisprudence, while also including aspects of Syrian National Law on an ad hoc basis.
cultural-heritage-related questions were addressed on average 1 to 5 times a week.
an increasing portion of these courts’ staff lack proper legal training, especially in matters of cultural heritage

 
SHELTr relies on the development of a curriculum addressing legal aspects of cultural heritage protection in three legal frameworks relevant in Syria: Syrian National Law, Islamic Law, and International Humanitarian Law. This training program is organized as a 5-day e-learning workshop that will be hosted in a regional training center early 2017. As of February 2016, this program is funded by a grant from the Gerda Henkel Foundation.
 
Our objectives are:

Research interaction of IHL and Islamic Law around the theme of cultural heritage for applications in Muslim countries worldwide.
Promote use and implementation of IHL and foster productive interactions with other existing legal frameworks such as Islamic law and Syrian National Law in courts in the opposition-held territory.
Remind local legal stakeholders about their duties regarding protection of cultural heritage.
Reach out to community leaders and decision-making actors in the opposition-held territory to influence behaviours and good practices towards cultural heritage across Syria.

 
The project is divided into 5 phases (preparation > content development > e-course formatting > e-course > evaluation-assessment). We’re currently entering the third phase of the program as we are formatting our content into a teachable e-course. 
 
For any questions or inquiries, please contact Dr B. Varoutsikos at b.varoutsikos@gmail.com

Aus für Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens?

Am 26. Oktober 2016 eröffnete die Präsidentin des Landtags Nordrhein-Westfalen, Carina Gödecke[1], die neue landtagshistorische Dauerausstellung „Haus der Parlamentsgeschichte“ in der Villa Horion nahe am Düsseldorfer Rheinufer. Die Ausstellung verzichtet nahezu vollständig auf dreidimensionale Ausstellungsobjekte oder „Flachware“ und setzt stattdessen auf Information in Ton und Bild. Allerdings sind diese nicht selbsterklärend, sondern bedürfen – so Mehr »

Neu: DFG-Ausschreibung zur Digitalisierung archivalischer Quellen

Eine gute Nachricht: Die DFG schreibt die Digitalisierung archivalischer Quellen aus. Archive können bei der DFG bis zum 1. Februar 2017 eine Absichtserklärung abgeben und danach bis zum 4. Mai 2017 einen Förderantrag einreichen. Die Ausschreibung finden Sie hier: DFG-LIS. Informationen zur Digitalisierung archivalischer Quellen (Handreichungen etc.) finden Sie auf der Homepage der Archivschule Marburg.

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Adventskalender 2016


Byzantinische Fresken in der Nikolaus-Kirche zu Myra
(Foto: Seynaeve, 2008 [CC BY SA 3.0] via Wikimedia Commons)

Bis zum Raub der Reliquien des Heiligen Nikolaus, die 1087 nach Bari verbracht wurden, war die Nikolauskirche in Myra, wo der historische Nikolaus im frühen 4. Jahrhundert Bischof war, ein wichtiges Pilgerziel. Ehe im 19. Jahrhundert die Kirche auf Veranlassung des russischen Zaren Alexander II renoviert wurde, war sie weitgehend in den Talsedimenten des Demre-Flusses begraben. Seit den 1960er Jahren gibt es immer wieder archäologische Grabungen.

Der Adventskalender 2016 bietet Bilder archäologischer Fundstellen aus dem Schatz der frei unter CC-Lizenzen verfügbaren und verwendbaren Bilder.

Videos: Ephesos-Rauswurf — Speerspitzen schmieden — 6000 Jahre alte Maske identifiziert

Türkei wirft österreichische Archäologen aus Ephesos raus – Nahost-Expertin analysiert | Spieldauer 7 Minuten | Youtube

Wie die Expertin völlig zutreffend analysiert, was aber ansonsten gerne vergessen bzw. unter den Teppich gekehrt wird: Der Fall beinhaltet nicht nur politische, sondern auch religiöse Aspekte. Was in der Türkei freilich zunehmend ein und dasselbe ist, denn Hellenismus und Polytheismus passen nicht in das Konzept der Machthaber und ihres Anhangs. Siehe auch mein Interview mit der Grabungsleiterin von Ephesos.




1066: How to Forge a Norman Spearhead | Spieldauer 4 Minuten | Youtube

6000 Jahre alte Maske aus Pfahlbausiedlung identifiziert | Spieldauer 4 Minuten | DW | Stream

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Mehr Videos

Entwicklungen der Archäologie des Mittelalters

Fast 30 Jahre nach der Publikation der wegweisenden Einführung in die Archäologie des Mittelalters von Günter P. Fehring (1987) haben wir nun ein neues Buch geschrieben, das die Archäologie des Mittelalters als wissenschaftliche Disziplin umreißt. Dass sich in 30 Jahren nicht nur ein enormer Quellenzuwachs ergeben hat, sondern dass sich auch die Sichtweisen verändert haben, dürfte nicht verwundern. Während meines Studiums war das Buch von Fehring noch neu und gab in der Tat eine gute Übersicht über das Fach. 
Aber bei einer tiefer gehenden Auseinandersetzung mit der Theorie der Archäologie des Mittelalters wurden bald die  Grenzen der Konzeption der Archäologie des Mittelalters deutlich, wie sie in der Einführung Fehring erkennbar wurden. Vor 15 Jahren hatte ich die Gelegenheit, die Neuauflage von Fehrings Einführung zu rezensieren, die mit nur wenigen Aktualisierungen auskam – vornehmlich ergänzenden Nennungen neuer Grabungen und Nachträgen im Literaturverzeichnis. Meine Kritik zielte auf die methodisch-theoretische Konzeption, wie sie sich unter anderem in der Definition des Faches niederschlug (vergl. Definitionen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Archaeologik 29.11.2016). Konkret richtete sich meine Kritik auf die folgenden Punkte:

  • der enge Bezug auf die Geschichtswissenschaften, ohne dass das Geschichtsverständnis präzisiert wurde (das aber aus dem Kontext zu erschließen eher traditionell zu verstehen ist)
  • die daraus resultierende explizite Ablehnung archäologischer Theorie  insbesondere der ’new archaeology‘
  • die explizite Festlegung auf archäologische Methoden, konkreter die der Ur- und Frühgeschichte
  • daraus resultierend das Ausklammern der Bauforschung (die in der klassischen Archäologie durchaus  in das archäologische Methodenspektrum integriert sind) und
  • der geringe Stellenwert der Sachkulturforschung
  • fehlende Überlegungen zur Verknüpfung archäologischer und schriftlicher Quellen.
  • neue Entwicklungen

    Tatsächlich dürften dies die Bereiche sein, in denen die Diskussion in der Archäologie des Mittelalters (und der Neuzeit) in den vergangenen 30 Jahren die stärksten  Fortschritte gemacht hat – vor allem dadurch, dass die Themen überhaupt als solche erkannt wurden.
    1. Die Rolle der Geschichtswissenschaften wird zunehmend durch einen Bezug auf die historischen Kulturwissenschaften relativiert, oder wenigstens ergänzt. Hier ist beispielsweise auf Beiträge von I. Ericsson, C. Theune, U. Müller und auch von mir selbst zu verweisen.
    2. Die insgesamt in der deutschen Archäologie zunehmende Theoriediskussion betrifft auch die Archäologie des Mittelalters, sowohl was Theorie im Sinne einer Entwicklung von Fragestellungen und Hypothesen betrifft, als auch in Bezug auf Theorie im Sinne einer kritischen Selbstreflektion der Fachstrukturen und der handelnden Personen. Die entscheidenden Beiträge stammten hier zunächst aus dem angelsächsischen Raum, werden aber zunehmend auch in der deutschsprachigen mittelalterarchäologischen Community rezipiert.
    3. Ich sehe auch eine durchaus interdisziplinäre Öffnung, die mehr an Fragestellungen und Kompetenzen orientiert ist, als an disziplinären Claims. Das ist freilich noch eher zögerlich, aber zunehmend greifen Überblicksarbeiten weiter aus und greifen auf Ergebnisse und Theorien von Nachbardisziplinen zurück. Dieser Trend lässt sich an den Definitionen des Faches ablesen (vergl. Definitionen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Archaeologik 29.11.2016).
    4. Eine pragmatische Auseinandersetzung mit den Zuständigkeiten von Archäologie und Bauforschung hat dazu geführt, dass zunehmend integrative Projekte durchgeführt wurden, die beispielsweise einzelne städtische Fachwerkhäuser bauhistorisch und archäologisch untersucht haben.
    5. Die Sachkulturforschung wurde zwischenzeitlich sowohl von Archäologen als auch von Historikern als Aufgaben- und Forschungsfeld umrissen. Zu nennen ist hier die grundlegende Arbeit von Sabine Felgenhauer, die noch stark den Bezug zur klassischen Kulturgeschichte suchte. Inzwischen ist ein zunehmender Einfluss der historischen Kulturwissenschaften zu vermerken, der sich darin äußert, dass Objekte im Kontext sozialer Praxis gesehen werden. Zu verweisen ist auf die Thematisierung des Habitus (vergl. Archaeologik 14.12.2012; publiziert: Schreg u.a. 2013), die explizit beispielsweise in der Arbeit von Ulrich Müllers zu Handwaschgefäßen vorgenommen wurde.
    6. Grundsätzliche Überlegungen zur Verknüpfung archäologischer und schriftlicher Quellen hat der Schwede Anders Andrén schon etwa zum Zeitpunkt der Erstpublikation von Fehrings Einführung vorgelegt. Die wurde inzwischen – etwas zögerlich – auch im deutschsprachigen Raum aufgegriffen.
    Darüber hinaus konnte seit den 1990er Jahren eine Internationalisierung des Faches festgestellt werden (vergl. Archaeologik demnächst), wie sie etwa im Medieval Europe Research Congress (MERC – jetzt Medieval Europe Research Commitee im Rahmen der EAA) oder der Ruralia Association zum Ausdruck kommt.

    Umsetzung

    Mit dem Schreiben einer neuen Einführung bot sich die Chance (und Notwendigkeit), die eigenen Kritikpunkte umzusetzen und neueren Entwicklungen  Rechnung zu tragen. In einigen Punkten setzt sie sich ganz bewusst von der älteren Arbeit Fehrings ab. Da wir in dem neuen Buch diesen Kontrast nicht herausgearbeitet haben, er aber interessant erscheint, wenn es darum geht, die Entwicklung des Faches in den letzten Jahren zu skizzieren, seien hier jene Punkte angeführt, die jedenfalls für mich beim Schreiben der Beiträge wichtig waren.

    Wir haben die Definition des Fachs anders formuliert.

    Die Archäologie der Neuzeit sollte einbezogen werden. Wir haben dies nur moderat getan, da die Entwicklung dieses Forschungsgebietes gerade sehr rasch voranschreitet. Nach einer Phase, in der die Neuzeitarchäologie in Deutschland überwiegend  an Kriegen und „Tatorten“ interessiert war,  wendet sie sich nun breiteren Themen zu, kommt dadurch aber auch in die Situation, genauer ihr Erkenntnisinteresse darstellen und erklären zu müssen, worin die Sinnhaftigkeit einer archäologischen Auseinandersetzung mit der Neuzeit besteht. Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit verstehen wir primär als eine historische Archäologie.

    Wir formulieren keine Abgrenzung gegenüber den Geschichtswissenschaften oder der Kunstgeschichte vor. Hier gibt es Überschneidungen, von denen ein interdisziplinärer Diskurs nur profitieren kann.

    Fehring hatte in seinem Buch keinerlei theoretische Reflektion über die weitergehenden Ziele der archäologischen Forschung. Hier ergeben sich aber zahlreiche Themen, die für das Verständnis und die Weiterentwicklung des Faches von grundlegender Bedeutung sind. So ist das Geschichtsverständnis oder der Kulturbegriff des Faches ebenso zu hinterfragen, wie seine Narrative in der Vermittlung der Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit. Deshalb enthält der Band im Methodenkapitel einen relativ ausführlichen Teil zu Quelleninterpretation und Theorie. 

    Keramik trat in der Einführung Fehrings nur im Kontext der Chronologie auf. Tatsächlich sind Keramikscherben darüber hinaus eine wichtige Quelle zur Alltags- und Wirtschaftsgeschichte, bisweilen auch zur Umweltgeschichte. Der Themenbereich der Sachkultur sollte stärker betont werden. Das haben wir erreicht, indem die wichtigsten Fundgruppen eigene kästchenförmige Exkurse erhalten haben.

    4. Obwohl sich das Buch auf den deutschen Sprachraum konzentriert, greift es punktuell immer wieder darüber hinaus, etwa, wenn die byzantinische Archäologie oder die islamische Archäologie kurz präsentiert werden.

    Literaturhinweise

    Andrén 1998
    A. Andrén, Between artifacts and texts. Historical archaeology in global perspective, Contributions to global Historical Archaeology (New York 1998)

    Ericsson 2000
    I. Ericsson, Archäologie des Mittelalters – eine Kulturwissenschaft?, Das Mittelalter 5, 2000, 141–148

    Fehring 1987
    G. P. Fehring, Einführung in die Archäologie des Mittelalters (Darmstadt 1987)

    Felgenhauer-Schmiedt 1995
    S. Felgenhauer-Schmiedt, Die Sachkultur des Mittelalters im Lichte der archäologischen Funde, Europ. Hochschulschr. R. 38 42 2(Frankfurt am Main 1995)

    Müller 2006
    U. Müller, Zwischen Gebrauch und Bedeutung. Studien zur Funktion von Sachkultur am Beispiel mittelalterlichen Handwaschgeschirrs (5./6. bis 15./16. Jahrhundert), Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters, Beiheft 20 (Bonn 2006)

    Müller 2013
    U. Müller, Die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit im Gefüge der historischen Archäologien, in: K. Ridder – S. Patzold (Hrsg.), Die Aktualität der Vormoderne. Epochenentwürfe zwischen Alterität und Kontinuität, Europa im Mittelalter 23 (Berlin 2013) 61–90

    Schreg 2001
    R. Schreg, [Rez.zu]: Die Archäologie des Mittelalters. Eine Einführung, Arch. Inf. 24, 2001, 331–334

    Schreg 2007
    R. Schreg, Archäologie der frühen Neuzeit. Der Beitrag der Archäologie angesichts zunehmender Schriftquellen, Mitt. Dt. Ges. Arch. Mittelalter u. Neuzeit 18, 2007, 9–20

    Schreg 2010
    R. Schreg, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit: eine historische Kulturwissenschaft par excellence?, in: M. Dreyer – J. Kusber – J. Rogge – A. Hütig (Hrsg.), Historische Kulturwissenschaften. Positionen, Praktiken und Perspektiven, Mainzer Historische Kulturwissenschaften 1 (Bielefeld 2010) 335–366

    Schreg u. a. 2013
    R. Schreg – J. Zerres – H. Pantermehl – S. Wefers – L. Grunwald – D. Gronenborn, Habitus – ein soziologisches Konzept in der Archäologie, Arch. Inf. 36, 2013, 101-112 – DOI: 10.11588/ai.2013.0.15324
     

    Theune 2009
    C. Theune, Ganzheitliche Forschungen zum Mittelalter und zur Neuzeit, in: S. Brather – D. Geuenich – C. Huth – H. Beck (Hrsg.), Historia archaeologica. Festschrift für Heiko Steuer zum 70. Geburtstag, RGA Ergbd. 70 (Berlin 2009) 755–764

    Theune 2012
    C. Theune, Zeitgeschichtliche Archäologie. Forschungen und Methoden, Fundber. Österreich 51, 2012, 121–126

    Theune-Vogt 2014
    C. Theune-Vogt, Archäologie an Tatorten des 20. Jahrhunderts, Archäologie in Deutschland. Sonderheft (Darmstadt 2014)

    Entwicklungen der Archäologie des Mittelalters

    Fast 30 Jahre nach der Publikation der wegweisenden Einführung in die Archäologie des Mittelalters von Günter P. Fehring (1987) haben wir nun ein neues Buch geschrieben, das die Archäologie des Mittelalters als wissenschaftliche Disziplin umreißt. Dass sich in 30 Jahren nicht nur ein enormer Quellenzuwachs ergeben hat, sondern dass sich auch die Sichtweisen verändert haben, dürfte nicht verwundern. Während meines Studiums war das Buch von Fehring noch neu und gab in der Tat eine gute Übersicht über das Fach. 
    Aber bei einer tiefer gehenden Auseinandersetzung mit der Theorie der Archäologie des Mittelalters wurden bald die  Grenzen der Konzeption der Archäologie des Mittelalters deutlich, wie sie in der Einführung Fehring erkennbar wurden. Vor 15 Jahren hatte ich die Gelegenheit, die Neuauflage von Fehrings Einführung zu rezensieren, die mit nur wenigen Aktualisierungen auskam – vornehmlich ergänzenden Nennungen neuer Grabungen und Nachträgen im Literaturverzeichnis. Meine Kritik zielte auf die methodisch-theoretische Konzeption, wie sie sich unter anderem in der Definition des Faches niederschlug (vergl. Definitionen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Archaeologik 29.11.2016). Konkret richtete sich meine Kritik auf die folgenden Punkte:

  • der enge Bezug auf die Geschichtswissenschaften, ohne dass das Geschichtsverständnis präzisiert wurde (das aber aus dem Kontext zu erschließen eher traditionell zu verstehen ist)
  • die daraus resultierende explizite Ablehnung archäologischer Theorie  insbesondere der ’new archaeology‘
  • die explizite Festlegung auf archäologische Methoden, konkreter die der Ur- und Frühgeschichte
  • daraus resultierend das Ausklammern der Bauforschung (die in der klassischen Archäologie durchaus  in das archäologische Methodenspektrum integriert sind) und
  • der geringe Stellenwert der Sachkulturforschung
  • fehlende Überlegungen zur Verknüpfung archäologischer und schriftlicher Quellen.
  • neue Entwicklungen

    Tatsächlich dürften dies die Bereiche sein, in denen die Diskussion in der Archäologie des Mittelalters (und der Neuzeit) in den vergangenen 30 Jahren die stärksten  Fortschritte gemacht hat – vor allem dadurch, dass die Themen überhaupt als solche erkannt wurden.
    1. Die Rolle der Geschichtswissenschaften wird zunehmend durch einen Bezug auf die historischen Kulturwissenschaften relativiert, oder wenigstens ergänzt. Hier ist beispielsweise auf Beiträge von I. Ericsson, C. Theune, U. Müller und auch von mir selbst zu verweisen.
    2. Die insgesamt in der deutschen Archäologie zunehmende Theoriediskussion betrifft auch die Archäologie des Mittelalters, sowohl was Theorie im Sinne einer Entwicklung von Fragestellungen und Hypothesen betrifft, als auch in Bezug auf Theorie im Sinne einer kritischen Selbstreflektion der Fachstrukturen und der handelnden Personen. Die entscheidenden Beiträge stammten hier zunächst aus dem angelsächsischen Raum, werden aber zunehmend auch in der deutschsprachigen mittelalterarchäologischen Community rezipiert.
    3. Ich sehe auch eine durchaus interdisziplinäre Öffnung, die mehr an Fragestellungen und Kompetenzen orientiert ist, als an disziplinären Claims. Das ist freilich noch eher zögerlich, aber zunehmend greifen Überblicksarbeiten weiter aus und greifen auf Ergebnisse und Theorien von Nachbardisziplinen zurück. Dieser Trend lässt sich an den Definitionen des Faches ablesen (vergl. Definitionen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Archaeologik 29.11.2016).
    4. Eine pragmatische Auseinandersetzung mit den Zuständigkeiten von Archäologie und Bauforschung hat dazu geführt, dass zunehmend integrative Projekte durchgeführt wurden, die beispielsweise einzelne städtische Fachwerkhäuser bauhistorisch und archäologisch untersucht haben.
    5. Die Sachkulturforschung wurde zwischenzeitlich sowohl von Archäologen als auch von Historikern als Aufgaben- und Forschungsfeld umrissen. Zu nennen ist hier die grundlegende Arbeit von Sabine Felgenhauer, die noch stark den Bezug zur klassischen Kulturgeschichte suchte. Inzwischen ist ein zunehmender Einfluss der historischen Kulturwissenschaften zu vermerken, der sich darin äußert, dass Objekte im Kontext sozialer Praxis gesehen werden. Zu verweisen ist auf die Thematisierung des Habitus (vergl. Archaeologik 14.12.2012; publiziert: Schreg u.a. 2013), die explizit beispielsweise in der Arbeit von Ulrich Müllers zu Handwaschgefäßen vorgenommen wurde.
    6. Grundsätzliche Überlegungen zur Verknüpfung archäologischer und schriftlicher Quellen hat der Schwede Anders Andrén schon etwa zum Zeitpunkt der Erstpublikation von Fehrings Einführung vorgelegt. Die wurde inzwischen – etwas zögerlich – auch im deutschsprachigen Raum aufgegriffen.
    Darüber hinaus konnte seit den 1990er Jahren eine Internationalisierung des Faches festgestellt werden (vergl. Archaeologik demnächst), wie sie etwa im Medieval Europe Research Congress (MERC – jetzt Medieval Europe Research Commitee im Rahmen der EAA) oder der Ruralia Association zum Ausdruck kommt.

    Umsetzung

    Mit dem Schreiben einer neuen Einführung bot sich die Chance (und Notwendigkeit), die eigenen Kritikpunkte umzusetzen und neueren Entwicklungen  Rechnung zu tragen. In einigen Punkten setzt sie sich ganz bewusst von der älteren Arbeit Fehrings ab. Da wir in dem neuen Buch diesen Kontrast nicht herausgearbeitet haben, er aber interessant erscheint, wenn es darum geht, die Entwicklung des Faches in den letzten Jahren zu skizzieren, seien hier jene Punkte angeführt, die jedenfalls für mich beim Schreiben der Beiträge wichtig waren.

    Wir haben die Definition des Fachs anders formuliert.

    Die Archäologie der Neuzeit sollte einbezogen werden. Wir haben dies nur moderat getan, da die Entwicklung dieses Forschungsgebietes gerade sehr rasch voranschreitet. Nach einer Phase, in der die Neuzeitarchäologie in Deutschland überwiegend  an Kriegen und „Tatorten“ interessiert war,  wendet sie sich nun breiteren Themen zu, kommt dadurch aber auch in die Situation, genauer ihr Erkenntnisinteresse darstellen und erklären zu müssen, worin die Sinnhaftigkeit einer archäologischen Auseinandersetzung mit der Neuzeit besteht. Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit verstehen wir primär als eine historische Archäologie.

    Wir formulieren keine Abgrenzung gegenüber den Geschichtswissenschaften oder der Kunstgeschichte vor. Hier gibt es Überschneidungen, von denen ein interdisziplinärer Diskurs nur profitieren kann.

    Fehring hatte in seinem Buch keinerlei theoretische Reflektion über die weitergehenden Ziele der archäologischen Forschung. Hier ergeben sich aber zahlreiche Themen, die für das Verständnis und die Weiterentwicklung des Faches von grundlegender Bedeutung sind. So ist das Geschichtsverständnis oder der Kulturbegriff des Faches ebenso zu hinterfragen, wie seine Narrative in der Vermittlung der Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit. Deshalb enthält der Band im Methodenkapitel einen relativ ausführlichen Teil zu Quelleninterpretation und Theorie. 

    Keramik trat in der Einführung Fehrings nur im Kontext der Chronologie auf. Tatsächlich sind Keramikscherben darüber hinaus eine wichtige Quelle zur Alltags- und Wirtschaftsgeschichte, bisweilen auch zur Umweltgeschichte. Der Themenbereich der Sachkultur sollte stärker betont werden. Das haben wir erreicht, indem die wichtigsten Fundgruppen eigene kästchenförmige Exkurse erhalten haben.

    4. Obwohl sich das Buch auf den deutschen Sprachraum konzentriert, greift es punktuell immer wieder darüber hinaus, etwa, wenn die byzantinische Archäologie oder die islamische Archäologie kurz präsentiert werden.

    Literaturhinweise

    Andrén 1998
    A. Andrén, Between artifacts and texts. Historical archaeology in global perspective, Contributions to global Historical Archaeology (New York 1998)

    Ericsson 2000
    I. Ericsson, Archäologie des Mittelalters – eine Kulturwissenschaft?, Das Mittelalter 5, 2000, 141–148

    Fehring 1987
    G. P. Fehring, Einführung in die Archäologie des Mittelalters (Darmstadt 1987)

    Felgenhauer-Schmiedt 1995
    S. Felgenhauer-Schmiedt, Die Sachkultur des Mittelalters im Lichte der archäologischen Funde, Europ. Hochschulschr. R. 38 42 2(Frankfurt am Main 1995)

    Müller 2006
    U. Müller, Zwischen Gebrauch und Bedeutung. Studien zur Funktion von Sachkultur am Beispiel mittelalterlichen Handwaschgeschirrs (5./6. bis 15./16. Jahrhundert), Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters, Beiheft 20 (Bonn 2006)

    Müller 2013
    U. Müller, Die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit im Gefüge der historischen Archäologien, in: K. Ridder – S. Patzold (Hrsg.), Die Aktualität der Vormoderne. Epochenentwürfe zwischen Alterität und Kontinuität, Europa im Mittelalter 23 (Berlin 2013) 61–90

    Schreg 2001
    R. Schreg, [Rez.zu]: Die Archäologie des Mittelalters. Eine Einführung, Arch. Inf. 24, 2001, 331–334

    Schreg 2007
    R. Schreg, Archäologie der frühen Neuzeit. Der Beitrag der Archäologie angesichts zunehmender Schriftquellen, Mitt. Dt. Ges. Arch. Mittelalter u. Neuzeit 18, 2007, 9–20

    Schreg 2010
    R. Schreg, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit: eine historische Kulturwissenschaft par excellence?, in: M. Dreyer – J. Kusber – J. Rogge – A. Hütig (Hrsg.), Historische Kulturwissenschaften. Positionen, Praktiken und Perspektiven, Mainzer Historische Kulturwissenschaften 1 (Bielefeld 2010) 335–366

    Schreg u. a. 2013
    R. Schreg – J. Zerres – H. Pantermehl – S. Wefers – L. Grunwald – D. Gronenborn, Habitus – ein soziologisches Konzept in der Archäologie, Arch. Inf. 36, 2013, 101-112 – DOI: 10.11588/ai.2013.0.15324
     

    Theune 2009
    C. Theune, Ganzheitliche Forschungen zum Mittelalter und zur Neuzeit, in: S. Brather – D. Geuenich – C. Huth – H. Beck (Hrsg.), Historia archaeologica. Festschrift für Heiko Steuer zum 70. Geburtstag, RGA Ergbd. 70 (Berlin 2009) 755–764

    Theune 2012
    C. Theune, Zeitgeschichtliche Archäologie. Forschungen und Methoden, Fundber. Österreich 51, 2012, 121–126

    Theune-Vogt 2014
    C. Theune-Vogt, Archäologie an Tatorten des 20. Jahrhunderts, Archäologie in Deutschland. Sonderheft (Darmstadt 2014)

    Erste DFG-Ausschreibung zur Digitalisierung archivalischer Quellen jetzt online!

    Nachdem die zuständigen Gremien der Deutschen Forschungsgemeinschaft den Abschlussbericht des Pilotprojekts „Digitalisierung archivalischer Quellen“ endgültig gebilligt haben, ist auf der Homepage der Deutschen Forschungsgemeinschaft nun der Text der ersten Ausschreibung abrufbar: http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/ausschreibung_archivalische_quellen_170504.pdf Das Ziel der Ausschreibung, der voraussichtlich weitere folgen werden, ist es, … Weiterlesen

    Der dritte offizielle MOMathon

    Vor zwei Wochen, am 15. November 2016, fand der dritte offizielle #MOMathon16 statt. 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Rumänien, Italien, Spanien und Großbritannien halfen dabei, auf der Plattform Monasterium die Metadaten des Urkundenbestandes zu erweitern. Einige Mitwirkende machten aus dem Online-Event ein Lokalevent und trafen sich bei Kaffee und Kuchen zum gemeinsamen Bearbeiten. Auch auf Twitter erhielt die Veranstaltung Resonanz: Die Tweets zum #MOMathon16 können Sie in unserem Storify gesammelt nachlesen. [View the story „#MOMathon16“ on Storify]   Die Veranstaltung erwies sich als … Der dritte offizielle MOMathon weiterlesen

    Transparenzklagen

    https://transparenzklagen.de/ „Nach dem Prinzip der Strategic Litigation, also der strategischen Auswahl und Führung von Prozessen, bringen wir besonders geeignete Fälle nach den Informationsfreiheitsgesetzen vor Gericht.“ Glück haben dann vermutlich die üblichen Verdächtigen wie die Mitarbeiter von netzpolitik.org. Siehe auch http://breitband.deutschlandradiokultur.de/mms161203/

    CFP (1): International UDC Seminar 2017: Faceted Classification Today, London 14-15 September 2017

    International UDC Seminar 2017 FACETED CLASSIFICATION TODAY: Theory, Technology and End Users DATE: 14-15 September 2017 VENUE: London WEBSITE: http://seminar.udcc.org/2017/ CONTACT: seminar2017@udcc.org International UDC Seminar 2017 marks the anniversaries of two conferences devoted to faceted classification research: sixty years since … Weiterlesen